1. November - Victoria Park

Mountainbiker in Aktion (

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Im Süden von Christchurch befindet sich der
Victoria Park. Da habe ich heute ein paar Stunden zugebracht. Ein Teil des Parks ist mit schwerem Gerät bearbeitet worden, damit Mountainbiker die Hänge abwärts düsen können. Da freue ich mich gleich doppelt auf die Ankunft meines Containers - da ist nämlich mein Mountainbike drin. Und bei den gebotenen Panoramen (aufs Bild klicken) werde ich mich da auch mal runter stürzen.
Der Park hat aber noch mehr zu bieten: tolle Wanderstrecken, viel Grün, Sonne und jede Menge Platz, um sich zu verlaufen. Hier nervt auch kein Touri - die dürften sich bis hierher nur selten verirren. Traurige Berühmtheit hat der Park vor 55 Jahren durch Pauline Parker erlangt, mehr zu lesen bei
Wikipedia (englisch).
2. November - Gurkenfische

Auf der Suche nach Unsichtbarem (

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Daran muss sich mein Gaumen wohl erst noch gewöhnen. Bin heute vier Stunden nördlich von Christchurch im Spencer Park unterwegs gewesen und habe mich von der Tierwelt inspirieren lassen. Zumindest war das mein Ziel. Irgendwo an einem Meerausläufer sind mir zwei Rentner begegnet, einer 80 Jahre alt. Die beiden gingen einem interessanten Hobby nach. Sie fangen kleine durchsichtige Fische names Whitebaits. Sie messen etwa zwei Millimeter im Durchmesser und fünf bis sechs Zentimeter lang. Habe leider kein Foto von den Tieren, weil ja durchsichtig. Das besondere: Die beiden Hobby-Fischer schmeißen abends die Tiere in die Pfanne und dazu ein Ei. Das soll eine Delikatesse sein. Mit Glück findet man solche Fische auch beim Fish&Chips um die Ecke: ein kleines Tütchen für 20 Dollar.
Etwas mehr hat es mir der Gurkenfisch angetan. Der ist zwar auch durchsichtig, allerdings größer und der riecht tatsächlich wie eine grüne Gurke - nicht nur ein bisschen, sondern richtig stark, kein Fischgeruch, nur Gurke. Und nein, ich habe nicht rein gebissen!
6. November - Mitchells Track

Blick auf Diamond Harbour (

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Da ich derzeit noch faul auf der Haut liege, sind alle Tage wie Sonntage. Also bin ich am Freitag los gezogen, meine Umgebung weiter zu erkunden. Mein Ziel war das in vielen Karten eingezeichnete "Kiwi Sign" - südwestlich von meiner Wohnbasis. Das war aber enttäuschend, da es sich hierbei nur um eine Steinsäule mit einem aus Holz geschnitzten Kiwi handelte. Ist wohl eher eine Marketing-Aktion, da das nahe gelegene Restaurant sonst von niemandem gefunden werden würde.

Wohin das Auge blickt ... (

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Bin mit meinem Rucksack los und habe den Mitchells Track erkundet. Das obere Foto ist von einem etwas
abseits gelegenen Felsen entstanden. Die Region im Hintergrund mit den vielen Häuser wird Diamond Harbour genannt und scheint sich als eine der interessanten Hauskaufregionen zu entwickeln. Die Preise steigen hier senkrecht in die Höhe. Vielleicht sollte ich mich in dieser Gegend nach meiner Ranch umschauen ... so wie das Schaf.
Weil mir danach war, habe ich während der Wanderung auch ein paar französische Bäckerei-Süßigkeiten geschlemmt. Ganz in der Nähe meines Hauses gibt es nämlich die
French Bakery. Hmmm, die besuche ich ziemlich oft.
7. November - Saftiges Schweinefleisch

Mein erster selbst gemachter Burger (

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Entschuldigung, dass ich schon wieder einen Burger hier habe. Aber der war etwas ganz besonderes. Den habe ich nämlich selbst gemacht - mein erster eigener Burger hier unten. Der war mit neuseeländischem Schweinefleisch in Pflaumenmarinade - selbst nach längerem Braten war das Fleisch noch richtig saftig. Ich bin sonst nicht der Fleischtyp, aber das war echt lecker! Da hat selbst ein Laie wie ich geschmeckt, dass die Schweine hier anders gezüchtet werden.
9. November - Angeheuert
Festhalten: Mir wurde heute ein Arbeitsvertrag zugeschickt. Ja was für eine Freude. Ich hatte im Oktober eine ganz ansprechende Anzeige im Internet gefunden und dort mal angeklopft. Das war eine Jobagentur und die meinten, mein Lebenslauf sieht okay aus und sie wollen mich zum Vorstellungsgespräch schicken.
Ich also in meinen einzigen Anzug geschlüpft, den ich in meinen Koffern mit nach Neuseeland gebracht hatte. Bin rein ins Gebäude und wurde in ein Zimmer gesteckt, um dort einen technischen Test zu machen: 40 Fragen zur IT, insbesondere zu dem was die Firma so treibt. Und das in 60 Minuten. Ich hab mir ein Glas Wasser bringen lassen, meinen sd&m-Stift ausgepackt und die 90 Sekunden pro Frage ausgekostet. Dann ging es in ein Interview. Das dauerte über anderthalb Stunden. War ganz spannend.
Jetzt glaube man nicht, man bekäme Feedback. Das wurde alles über den Jobvermittler abgewickelt. Ich bekam also am nächsten Tag einen Anruf mit "Hey, Glückwunsch, sie laden dich zum zweiten Interview ein." In Deutschland hätte ich mir Gedanken gemacht, dass ein zweites Interview für eine Entscheidung notwendig sei. Also entweder bin ich überzeugend oder nicht. Auf jeden Fall scheinen hier Doppelinterviews an der Tagesordnung zu sein. Man will auf Nummer sicher gehen. Das erste Interview dient zum groben Abklopfen, das zweite zur Prüfung, ob man auch tatsächlich passt.
Also bin ich eine Woche später im gleichen Anzug - anderes Hemd, andere Krawatte - wieder zur Firma. Einer der Interviewpartner war neu. Ich bin diesmal auf Herz und Nieren geprüft worden, ganz konkret zu dem, was ich später auch machen sollte. Habe eine Mini-Architektur für ein aktuelles Projekt entwerfen müssen und flink ein Mini-Angebot runter getackert. Nach fast zwei Stunden waren wir dann durch. Um ehrlich zu sein: Es hat echt Spaß gemacht. Nach Monaten endlich mal wieder mit jemanden über IT zu sprechen war schon toll.
Am gleichen Tag kam dann ein Anruf von der Jobagentur: "Hey, Glückwunsch, sie wollen dich haben." Dann ging das Formale los einschließlich der Verhandlung über die Rahmenbedingungen. Tja, und heute kam dann der Arbeitsvertrag - genau am 20. Jahrestag des Mauerfalls.
Doch das genieße ich jetzt erst mal. Unterschrieben wird der Vertrag später. Doch jetzt glaube man nicht, dann sei ich schon angestellt. Oh nein. Das ganze gilt vorbehaltlich der Prüfung meiner Referenzen. Also habe ich ein paar Kontakte von meinem alten Arbeitgeber
Capgemini sd&m mitgeteilt. Und die Jobagentur will tatsächlich nach Deutschland telefonieren. Na ich bin gespannt.
11. November - Fast fix
Hab mich nach zwei Tagen nun entschieden, den Vertrag tatsächlich zu unterschreiben. Hab das noch vor dem Frühstück getan. Habe aber noch kein Feedback wegen der Referenzen. Es bleibt also spannend.
12. November - Container ahoi

MSC Nederlands mit meinem Container (

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Schon fast wider Erwarten sollte heute Abend der Container im Hafen von Lyttelton eintreffen. Also bin ich mit meiner Gondola-Jahreskarte den Berg hoch und hab Ausschau gehalten. Doch nix. Kein Schiff weit und breit außer eines im Hafen. Aber das war das falsche. Habe die Zeit genutzt, um ein paar Bilder vom Sonnenuntergang zu machen. Und dann bin ich durch einen
Zeittunnel gefahren.
Als ich hier wieder raus war, trudeltde gerade die MSC Nederlands im Hafen ein. Das etwa 300 Meter lange Schiff wurde von einem kleinen Beiboot manövriert. Es dauerte etwa eine halbe Stunde bis der Koloss im Hafen lag. Zweieinhalb Monate hat der Riesentanker die Ozeane befahren, um meinen kleinen 6-Meter-Container ans Ende der Welt zu bringen.
16. November - Ausladen

Ein Kiwi öffnet meinen Container (

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Tatsächlich, pünktlich um 8 Uhr standen die ersten beiden Kiwis vor meiner Tür und kündigten den Container an. Einen Kaffee und 30 Minuten später kam ein Maori mit dem Container an.
Neuseeländisch entspannt wurde Stück für Stück entladen, mit mir als Superüberwacher. Das ganze dauerte seine Zeit, schließlich war es warm. Zwischenzeitlich erfuhr ich auch, dass die White Blacks (hießige Fußballmannschaft) ein Vorrundenspiel gewonnen hatten. Nun ist das halbe Land verrückt. Schließlich könnte es sein, dass die Kiwis seit 30 Jahren wieder an einem World Cup teilnehmen. Warten wir's mal ab.

MAF im Anmarsch (

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Den Zoll hat die Umzugsfirma abgewickelt. Um das brauchte ich mich also nicht kümmern. Allerdings war da noch das MAF (Ministry of Agriculture and Forestry). Das kam mit reichlich Verzögerung, stülpte sich Handschuhe über, packte ein scharfes Messer aus und stöberte in meinen Kisten rum. Das dauerte bestimmt zwei Stunden. Die Leute von der Umzugsfirma hatten ihren Spaß, denn sie wussten, dass hier meist die Post abgeht und normalerweise vieles dem Verbrennungsstuhl zugeführt wird.
Doch die haben nicht mit mir gerechnet. An meinen Wanderschuhen war keine Erde, mein Zelt sah aus wie neu und durch meinen Bambus konnte man durchschauen. Letztlich hat der Herr vom MAF gar nicht viel mitgenommen: etwas Sand aus Frankreich, eine Koralle und eine kleine Trommel. Er meinte, seine Ausbeute sei äußerst mager und die wenigsten packen ihre sieben Sachen mit solcher Akribie. Na ich bin sicher, beim nächsten Einwanderer hat er mehr Erfolg.
17. November - Intergeniate
Heute morgen kam ein Anruf von der Jobagentur: Die Referenzen seien geprüft und für gut befunden. Die Anstellung ist damit vollzogen. Ich fange nächstes Jahr am 5. Januar an. Die Firma heißt
Intergen, mit etwa 220 Angestellten einer der größeren IT-Arbeitgeber im Lande. Die Niederlassung in Christchurch ist mit 35 Seelen recht überschaubar.
Damit sitzt auch der letzte größere Baustein sattelfest. Dann gilt es ab sofort, meine letzten sieben Wochen Freizeit voll und ganz zu genießen ...
20. November - Sieben auf einen Streich

Besuch aus Entenhausen (

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Obwohl ich am Ende einer Sackgasse wohne, ist die Region logistisch hoch interessant. Ein paar hundert Meter weiter führt ein Highway entlang und auf der Gegenseite gibt es eine Eisenbahnlinie, was vergleichsweise selten ist.
Doch auch die Natur weiß die Lage zu schätzen. So scheine ich mich in einer Entenflugschneise zu befinden. Mein Nachbar hat ein großes Grundstück mit zwei Kühen und einem Schwein. Die saftig grüne Fläche wissen aber auch die Entenhausener zu schätzen und da habe ich hier immer mal Geschnatter am Abend. Eine Truppe ist äußerst klever. Die landen einfach bei den Häusern und grasen einen Hauseingang nach dem anderen ab. Meine lieben Nachbarn scheinen die Tiere wohl zu füttern. Die sieben Gesellen auf dem Foto waren äußerst frech. Den hab ich erst mal erklären müssen, dass mein penibel gemähter Rasen keine öffentliche Toilette ist.
Da kommt mir so ein Gedanke. Eine der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen hier ist die Jagd. Na das passt doch zu mir als Naturliebhaber. Ich glaube, ich brauche ein größeres Tiefkühlfach ...
24. November - Erdbeben sind allgegenwärtig

Wasservorrat für den Ernstfall (

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Dienstag ist mein Kinotag. Bin diesmal in den Drei-Stunden-Epos
2012. Berauschende Bilder von Naturgewalten haben mich an den Kinosessel gefesselt.
Kaum aus dem Kino raus lief ich im warmen Sonnenschein und mir wurde bewusst: Neuseeland ist ein tektonisches Pulverfass. Hier prallen immerhin zwei Kontinentalplatten aufeinander. Mit über 200 Erdbeben pro Jahr ist das Land auch recht gut durchgeschüttelt.
Statistisch gibt es aller 120 Jahre im Land ein recht heftiges Erdbeben. Das nächste ist längst überfällig. Also bin ich heute in den Supermarkt und habe meine erste Notfallration gekauft: 16 Liter bestes Frischwasser. Da wird sich in den nächsten Wochen sicher noch mehr dazu gesellen. Sicher ist sicher.
25. November - Sternenhimmel

Neue Sternbilder am Himmel (

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Als alter Sternengucker hab natürlich Freud und leid hier unten zu ertragen. Auf der einen Seite sieht der Sternenhimmel fantastisch anders aus, auf der anderen Seite erkenne ich quasi nix wieder. War froh, als ich gestern wenigstens Orion erspähen konnte (nicht auf dem Bild). Auch der steht auf dem Kopf.
Das Sternenbild habe ich gegen 23 Uhr in meinem Garten aufgenommen, den Blick gen Osten gerichtet.
26. November - Akaroa

Blick auf Akaroa (

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Das Wetter war heute bombastisch und die Zeit reif für einen Ausflug nach Akaroa. Das ist der französischste Ort in ganz Neuseeland. Straßen, Restaurants, Shops und Plätze tragen französische Namen - der Historie sei Dank. Um 1840 wollte ein Geschäftsmann aus Frankreich eine Siedlung errichten und kaufte durch ein dubioses Geschäft die ganze Halbinsel von einem Maori ab. Als der Franzose ein paar Jahre später mit einem Boot voller Landsleute zurückkam, hatte sich inzwischen die britische Krone das Land angeeignet. Damit war der Traum von einer französischen Kolonie aus. Die Franzosen durften sich trotzdem niederlassen, was man der Gegend heute noch ansieht.
Der Ort ist bei Touristen bekannt, weil man hier mit Delphinen schwimmen kann. Das habe ich 2002 gemacht und kann es wärmstens empfehlen. Da ich aber kein Tourist mehr bin, war ich heute aus einem anderem Grund hier. Ich habe einfach die Gegend genossen, war shoppen und habe mein Mittagessen geschlemmt: die vielleicht knusprigsten und zugleich saftigsten Fish and Chips der Südinsel.